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Im März werde ich wieder in Berlin lesen; der genaue Termin steht aber noch nicht fest.

Mein nächstes Serienseminar an der Drehbuchwerkstatt der HFF München findet ebenfalls im März statt.

Im August erscheint bei Beltz & Gelberg "Das absolut schönste Mädchen der Welt und ich im Unterricht" als Lehrerbegleitheft. Als kleiner Teaser hier schon mal das Interview, das ich dafür gegeben habe:

Lieber Herr Knösel, ist Ihnen beim Schlafen auf einer Parkbank schon einmal der Geldbeutel aus der Hosentasche gerutscht?

Nein, nur der Schlüssel. Ich brauchte einen Aufhänger, an dem sich das Gespräch zwischen Paul und Zoe entzündet. Dazu war wiederum ein Konflikt nötig, der einerseits nicht zu groß sein durfte – und dennoch „diskussionswürdig“. Deswegen der Geldbeutel. Die erste Begegnung der beiden musste etwas Besonderes sein: eine erste Begegnung, die in Erinnerung bleibt. Bei den Mädchen, in die ich mich als junger Mann verliebt habe, kann ich mich auch heute noch sehr gut daran erinnern: an diese erste Begegnung, diesen ersten Blick, das Bild, das man danach im Kopf behält.

Wie entstand bei Ihnen die Idee zu „Das absolut schönste Mädchen der Welt und ich“? Was war zuerst da? Die Parkbank unter der Trauerweide im Englischen Garten, die Idee zu einer asymmetrischen Liebe oder ein stummes Hotelzimmer?

Der Englische Garten spielt in meinem Leben tatsächlich eine große Rolle – und auch das Hotel, das ich in dem Buch beschreibe, gibt es wirklich. Ich habe dort mit 18 ein paar Nächte mit meiner Freundin verbracht, weil meine Eltern es damals untersagt hatten, dass sie bei mir übernachtet. Ich komme nicht oft an diesem Hotel vorbei, vielleicht zwei- dreimal im Jahr, auf dem Weg ins Kino. Aber jedesmal überfällt mich kurz die Erinnerung an jene Zeit und jene Freundin damals. Doch der Ausgangspunkt, der zu dem Buch geführt hat, war, dass ich nach einer Geschichte über Freundschaft (Echte Cowboys) und einer über Familie (anhand zweier Brüder – Jackpot) eine Geschichte über die erste große Liebe schreiben wollte.

Wie verlief der Schreibprozess? Haben Sie oft Textteile überarbeitet oder gestrichen?

Oh ja, sehr oft. Der schwierigste Teil beim Schreiben ist für mich, aus dem Nichts eine erste Manuskriptfassung zu erstellen: also erst mal den leeren Bildschirm zu füllen. Diese Fassung ist zwar selten gut, aber ich kann damit arbeiten: wie ein Bildhauer, der immer weiter feilt und schleift. Beim „schönsten Mädchen“ waren es fünf Manuskriptfassungen bis zum fertigen Buch. Ursprünglich sollte der Text viel komödiantischer werden, aber das Zuviel an Gags ging zu Lasten der Glaubwürdigkeit. Also bin ich beim Überarbeiten der Geschichte mehr in die Emotionalität der Figuren gegangen.

Sie haben die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Paul erzählt – gab es für Sie auch Alternativen, zum Beispiel eine wechselnde Erzählperspektive?

Die Ich-Perspektive hat sich von selbst ergeben. Bevor ich mich ans Schreiben eines Manuskripts mache, notiere ich mir den Plot der Geschichte – und da war in jeder Szene Paul der treibende Charakter. Außerdem geht es in dem Buch ja um die erste richtig große Verliebtheit – und von der muss einfach ein „Betroffener“ persönlich berichten. Ich hatte allerdings großen Respekt vor der Ich-Perspektive, weil ich als Autor ja doch dreißig Jahre älter bin als Paul, der Erzähler.

Wie viel des jugendlichen Stephan Knösel steckt in Paul?

Das kann ich selber schwer beurteilen, aber eine alte Freundin verriet mir neulich nach Lektüre des Romans, dass ich mir treu geblieben sei – also steckt anscheinend doch noch einiges von meinem jugendlichen Ich in Paul.

Welches ist Ihre Lieblingsfigur im Roman?

Ich mag alle Figuren und ich muss sie auch mögen, sonst könnte ich sie nicht schreiben. Aber Zoe gefällt mir natürlich am besten. Wobei – Emma gefällt mir schon auch sehr gut ... 😉

Und Ihre Lieblingsstelle?

Auch das ist schwierig zu beantworten. Weil ich beim Schreiben versuche, möglichst nur Lieblingsstellen zu erschaffen. Aber besonderns mag ich Zoes und Pauls spontanes Bad in der Isar und den Morgen danach. Aber auch die Szene in der Wohnung von Zoes Mutter, wo Paul merkt, dass Zoe ihm entgleitet – und er nichts dagegen tun kann: Das war sehr schwierig zu schreiben, weil es eine Vier-Personen-Gesprächsszene ist. Rückblickend bin ich sehr zufrieden damit. Eins meiner Vorbilder, der Regisseur und Autor Anthony Minghella (Der Englische Patient), hat mal gesagt: Szenen mit zwei Leuten oder auch mit tausend Leuten sind einfach – alles dazwischen ist die Hölle. Und somit natürlich eine große dramaturgische Herausforderung. Der muss man sich als Autor stellen.

Ist es Ihnen beim Schreiben des Romans vorgekommen, dass sich eine Figur ganz anders entwickelt hat als Sie es zunächst gedacht haben?

Ich glaube, Leif war in den ersten Manuskriptfassungen ein recht eindimensionaler Charakter. Wenn einem das als Autor auffällt, muss man sich noch mal intensiver mit der Figur beschäftigen und das Menschliche mit all seinen Widersprüchen in ihr entdecken.

Im Roman finden sich zahlreiche bildhafte Elemente, Vergleiche und Metaphern: Der König nach einer gewonnen Schlacht, das Herz im Cappuccino, der Pistolenschuss nach dem Schlussmachen. Bauen Sie solche Elemente bewusst ein oder fließen die Ihnen eher ungeplant aus der Feder bzw. Tastatur?

Diese Elemente kommen tatsächlich eher ungeplant daher. Beim Schreiben tauche ich in die Figur ein und mit ihr in ihre Umgebung. Danach versuche ich vor allem, konkret, bildhaft, verständlich und an der Handlung entlang zu schreiben. Das ist eigentlich alles, was ich mir vornehme. Wenn dabei ab und zu eine hübsche Metapher auf den Bildschirm springt, freue ich mich natürlich.

Haben Sie beim Schreiben mit dem Gedanken gespielt, bestimmte Szenen hinsichtlich Drogen, Sex und Gewalt draußen zu lassen, weil sie ihren jugendlichen Leser/innen nicht zu viel zumuten wollten?

Ich glaube, die Leser würden so eine Art der Bevormundung sofort durchschauen und mir auch übelnehmen – zu Recht. Als Autor muss man mit offenen Karten spielen. Sonst kann man auch gleich Propagandatexte verfassen. Wenn ich mich mit dieser Altersgruppe unterhalte, habe ich auch nicht das Gefühl, dass ich sie schonen müsste.

Die verschiedenen Münchener Schauplätze des Romans sind und wirken sehr real. Hilft Ihnen das beim Schreiben?

Ich finde es als Autor (und als Leser) generell wichtig, dass eine Geschichte konkret verortet ist. Ich mag es überhaupt nicht, wenn Geschichten in einem dubiosen Irgendwo spielen. Das macht sie beliebig – auch wenn deren Autoren hoffen, gerade dadurch eine größere Identifikationsreichweite zu erzielen. Aber es funktioniert genau andersrum: Je konkreter eine Geschichte verortet ist, desto universeller wirkt sie. Beim „schönsten Mädchen“ sind die realen Schauplätze noch aus einem anderen Grund wichtig: weil das Buch ja auch eine Liebeserklärung an München ist.

Stand für Sie das Ende des Romans von vornherein fest? Wäre es eine Option gewesen, Zoe und Paul am Ende doch noch zusammen kommen zu lassen?

Das Ende war mir von Anfang an klar. Es ist ein Roman über die erste große Liebe. In meinem Freundeskreis gibt es nur einen, der seine erste große Liebe dann auch wirklich geheiratet hat (und immer noch mit ihr zusammen ist). Allen anderen – und mir auch – wurde damals das Herz herausgerissen ... und trotzdem ging das Leben danach irgendwie weiter. Genau das wollte ich in dem Buch beschreiben: dass man das im Moment des größten Schmerzes zwar nicht für möglich hält – aber trotzdem geht das Leben irgendwie weiter. Für mich ist das das Fazit zum Thema Erste Liebe.

Ganz durchschnittliche Jungs wundern sich vielleicht beim Lesen, dass sie, im Gegensatz zu Paul, weder Zoe noch Emma abbekommen. Haben Sie einen Trost für sie parat?

Was eine Traumfrau ausmacht, liegt ja vor allem im Auge des Betrachters. Es gibt makellos schöne Frauen, die einen total kalt lassen. Und manche Frauen liebt man auch gerade wegen ihrer „Schönheitsfehler“. Ich selber bin kein Anhänger des Heidi-Klum-Schönheitsideals, das in den Medien vermarktet wird. Auch deswegen gibt es in jedem meiner Bücher einen Seitenhieb auf Germany’s Next Topmodel. Einen Trost habe ich also nicht parat, nur einen Rat: Wenn dich ein Mädchen interessiert, sprich sie an. Das ist besser als sich später Was-wäre-wenn-Fragen zu stellen, nur weil man sich damals nicht getraut hat.

Wie würden Sie sich die Behandlung Ihres Romans im Unterricht wünschen?

Eine Aussage des Romans ist ja: Auch wenn die Verzweiflung gerade groß ist, gibt es meistens doch eine Lösung für das jeweilige Problem. Vielleicht nicht heute, aber morgen (oder auch erst übermorgen). Ich glaube, als Jugendlicher ist man besonders verwundbar und oft verzweifelt. Ich würde mir wünschen, dass mein Buch den Leser in so einer Situation ein bisschen trösten kann. Und dass es im Unterricht zur Diskussion einlädt. Genügend Themen gibt es ja: junge Schwangerschaft, Fremdgehen, Homosexualität, Drogenkonsum ...

Welche Erfahrungen machen Sie, wenn Sie aus dem Roman vor Jugendlichen lesen?

Das ist ganz unterschiedlich. Meine Lesungen bestehen ja nur zur Hälfte aus der eigentlichen Lesung. In der zweiten Hälfte diskutiere ich dann mit den Schülern. Ich kann mich an eine Lesung im Sommer erinnern: vor Realschülern in einer bayrischen Kleinstadt. Da waren die Reaktionen eher mau. Das verunsichert mich dann sehr: Liegt das am Text? An meiner „Tagesform“? Am Alter der Schüler? Oder ist das vielleicht eher ein Text für Gymnasiasten ...? Ich hatte damals keine Antwort darauf gefunden. Dann hatte ich vor kurzem wieder eine Lesung in einer (anderen) bayrischen Kleinstadt. Diesmal vor Hauptschülern. Und die lief wunderbar: Sehr aufmerksame Zuhörer und anschließend eine lebhafte, anregende Diskussion und viele Autogrammwünsche. Also ist es doch kein Text „nur“ für Gymnasiasten. Und 14-Jährige sind auch alt genug dafür ... Für mich sind Lesungen jedenfalls sehr wichtig. Ich schreibe ja für ein sehr kleines Alterssegment, 13 bis 16 Jahre. Das heißt, alle drei Jahre ist eine neue Lesergeneration herangewachsen. Nur wenn ich die auch regelmäßig treffe, bin ich auf dem Laufenden, was sie bewegt.

Auf welches neue Werk von Ihnen dürfen wir uns freuen? Gibt es Pläne?

Ich schreibe gerade ein Kinderbuch für Beltz, das Anfang 2018 erscheinen soll: eine Lausbubengeschichte für (vor allem männliche) 10-Jährige. Darin geht es um einen Jungen, der mit Hilfe seines Bruders und diversen Streichen versucht, seine Erzfeindin von der Schule zu vergraulen. Nur ist dieses Mädchen nicht gerade auf den Kopf gefallen – und vergraulen lässt sie sich schon gar nicht. So entsteht ein sehr lustiger Kleinkrieg zwischen den beiden. Dies wird merkwürdigerweise mein erstes Buch, das größtenteils in der Schule spielt. Meine drei Jugendbücher spielen ja alle in den Ferien: die „Cowboys“ in den Sommerferien, „Jackpot“ an Weihnachten, das „Schönste Mädchen“ Pfingsten. Und mit diesem Buch kann ich endlich mal das ganze Chaos verarbeiten, das bei uns zuhause herrscht – ich habe nämlich zwei Söhne genau im Alter der Protagonisten.