„Echte Cowboys“ am Westkreuz
Ein Gespräch der Klasse 6b der Hauptschule Reichenaustraße mit Stephan Knösel:
Chaos und Zettelberge auf dem Schreibtisch: So stellten wir uns den Arbeitsplatz eines Autors vor. Aber wir hatten uns geirrt. Am 4.07.11 durften wir den Jugendbuchautor Stephan Knösel in seiner Wohnung in Schwabing besuchen. Dort sahen wir uns um und dann führte er uns noch in sein Büro im 4. Stock direkt unterm Dach: Ein kleines Zimmer mit einem fast leeren Schreibtisch, einer „Arbeitsliege“ und einer Hantelbank.
Reporter: Wir haben uns ja den Arbeitsplatz eines Schriftstellers ganz anders vorgestellt, chaotischer, überall Notizzettel und so.
SK: Bei mir sieht es immer so aus. Ich brauche die Ordnung. Da gibt es nichts, was einen ablenkt. Die Notizen hab ich alle im Kopf und auf meinem Computer. Und wenn mir mal nichts einfällt, dann lege ich mich auf die Liege hier und denke nach …dann kommen die Ideen und ich kann weiterarbeiten.
Reporter: Ist das denn „richtige“ Arbeit, verdienen Sie damit Geld?
SK: Ja, auch wenn man zu Hause arbeitet, kann man damit Geld verdienen. Ich schreibe ja meistens Drehbücher fürs Fernsehen, d.h. es gibt einen Auftraggeber. Wenn das Drehbuch fertig ist, bekommt es der Auftraggeber und überweist dafür Geld –sonst gibt es Ärger.
Reporter: Wie viele Bücher schreiben Sie?
SK: Ich schreibe gerade das zweite, aber hoffentlich noch viele im Leben.
Reporter: Wir finden besonders toll, dass die Geschichte am Westkreuz spielt, also in unserer Wohngegend. Warum haben Sie sich diesen Ort ausgesucht?
SK: Das ist die Gegend, die ich gut kannte. Zeitweise bin ich dort selbst aufgewachsen.
Reporter: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie das fertige Buch in den Händen hielten?
SK: Das war schon toll. Aber der tollste Augenblick war, als ich vom Verlag die Zusage bekommen habe.
Reporter: Wie sind Sie darauf gekommen zu schreiben?
SK: Ein Freund von mir wollte immer schon Kameramann werden. Er schlug vor, dass wir zusammen einen Film machen. Das machten wir dann auch. Ich schrieb die Geschichte, er drehte einen Film daraus. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich wusste: ich will Autor werden. Vorher hatte ich eher wenig geschrieben, höchstens mal ein Tagebuch, aber immer nur ein paar Tage lang – dann ist es mir zu langweilig geworden – deswegen heißt es wahrscheinlich auch Tagebuch. (lacht!)
Interview mit Stephan Knösel
(für die Schülerzeitung des Puchheimer Gymnasiums)
Herr Knösel, gab es einen konkreten Auslöser, den Roman „Echte Cowboys“ zu schreiben?
Meine Frau – damals noch meine Freundin – war schwanger und ich hatte ein bisschen Bammel vorm Vaterwerden. Das hat mich wohl dazu gebracht, mich mit dem Thema „Erwachsen-werden“ auseinanderzusetzen und so bin ich gedanklich noch mal in meine Kindheit und Jugend eingetaucht. Alles, was damals eine Rolle gespielt hat, ist in den Roman eingegangen: Freundschaft, sich ohne Erwachsene irgendwie durchzubeißen, Frankreich etc.
Welche Rolle haben dabei Erfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit gespielt?
Die Schule, die ich in dem Roman beschreibe, ist die Schule, die ich als Jugendlicher besucht habe. Der soziale Rang-Unterschied zwischen „reichen“ Gräfelfinger Kindern und „Arbeiterklassekindern“ aus Neuaubing und Westkreuz war damals ein großes Thema. Ist es immer noch, wie ich erfahren habe.
In Ihrem Interview auf Ihrer Homepage behaupten Sie, dass Sie während der Schulzeit die falschen Texte gelesen haben. Shakespeare fanden Sie „scheiße“. Was hätten Sie denn stattdessen lieber gelesen?
Sagen wir mal so: „Macbeth“ fand ich scheiße (damals); wenn ich Lehrer wäre, würde ich als Shakespeare-Einstieg eher „Romeo und Julia“ oder „Hamlet“ auswählen. Ich hätte aber auch gerne „Wer die Nachtigall stört“ oder „Huckleberry Finn“ oder „Fänger im Roggen“ gelesen, oder „Demian“ von Hermann Hesse. Oder „Im Westen nichts Neues“ von Remarque. Ich hätte mit diesen Büchern als Jugendlicher mehr anfangen können als mit der Literatur, die man uns damals vorgesetzt hat.
Welche Bedeutung sollte Ihrer Meinung nach Literatur für Jugendliche spielen?
Ich weiß nicht, wieviel genau, aber ich habe sehr viel fürs Leben durch das Lesen von Literatur gelernt, und es war immer ein Lernen, das gleichzeitig Spaß gemacht hat. Ich kann es nur empfehlen.
Was würden Sie sich wünschen, dass Ihr Roman bei Jugendlichen bewirkt?
In erster Linie möchte ich, dass es Spaß macht, ihn zu lesen. Ansonsten? Ich hab ihm ja meinem Sohn Quirin gewidmet, der mich als Baby im Bauch sozusagen dazu angestoßen hat, den Roman zu schreiben. Wenn ich irgendeine Botschaft an meinen Sohn in dem Roman verpackt habe, dann hoffentlich die: Auch wenn alles mal total aus dem Ruder laufen sollte – du wirst dich schon irgendwie durchkämpfen. Schau einfach, dass du die richtigen Freunde findest. Und aufgeben darf man natürlich auch nie.
In dem oben erwähnten Interview erwähnen Sie auch, dass Ihr Roman zunächst von einer Agentin abgelehnt wurde. Wie haben Sie es dennoch geschafft, dass dieser veröffentlicht wurde?
Ich erhielt noch ca. 20, 25 weitere Absagen. Dann erfuhr ich, dass die Stadt München ein Literaturstipendium vergibt, und bewarb mich darum. Ich bekam es und lernte darüber meinen späteren Lektor kennen, der im Auswahlgremium war. Er platzierte das Buch beim Verlag, nachdem ich es auf seine Ratschläge hin überarbeitet habe.
Wie oft haben Sie den Text umgeschrieben und überarbeitet?
Unzählige Male – und das schon, bevor ich meinen Lektor traf. Ich glaube, Lion Feuchtwanger hat mal gesagt, dass die Überarbeitung 70% der Schreibarbeit einnimmt. Das kommt ungefähr hin.
Wie sind Sie auf den Titel „Echte Cowboys“ gekommen?
Als ich ein kleiner Junge war, waren Cowboys so ziemlich das Coolste, was es auf der Welt gab. Daran hab ich mich wahrscheinlich erinnert, als ich auf der Suche nach einem originellen Titel war – in dem Roman geht es thematisch ja auch ums Coolsein.
Welcher der drei Jugendlichen steht Ihnen persönlich am nächsten? Cosmo, Nathalie oder Tom?
Alle drei gleich.
Auf Ihrer Homepage erfährt man einiges über den Schauplatz des Romans. Dort berichten Sie, dass Sie sich während Ihrer Schulzeit häufig in einer Kiesgrube zwischen Gräfelfing und Neuaubing (den Orten, die auch im Roman erwähnt werden) aufgehalten haben. Ist das nicht ein etwas komischer Treffpunkt für Jugendliche?
Man muss dazu sagen, die Kiesgrube ist stillgelegt und ein wirklich schöner Ort. Er war in meiner Jugend, also Mitte bis Ende der 80er Jahre, ein Treffpunkt – und er ist es für die heutige (ortsansässige) Schülergeneration immer noch, wie ich auf einer Lesung erfahren habe. Und neulich hab ich vom Vater eines Schulfreundes erfahren, dass er sich schon in seiner Jugend mit seinen Kumpels dort getroffen hat.
Es fällt auf, dass Sie in Ihrem Roman den Schauplatz sehr detailgetreu wiedergeben. Die drei Stufen vor dem Gräfelfinger Kino gibt es wirklich. Wie Wichtig ist Ihnen diese realistische Wiedergabe des Schauplatzes?
Wenn ich eine Geschichte lese, mag ich konkrete oder realistische Schauplätze. Wenn eine Geschichte in einem schwammigen Irgendwo spielt, hält mich das als Leser auf Distanz. Diese persönliche Leseerfahrung versuche ich als Autor zu nutzen. Da will man ja den Leser nicht auf Distanz halten, sondern in seine Geschichte „hineinziehen“.
Sie sind auch Drehbuchautor. Inwieweit sind diese Erfahrungen beim Schreiben Ihres Romans mit eingeflossen?
Der Roman hat wahrscheinlich eine filmische, dramatische Erzählstruktur.
Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, den Roman zu verfilmen?
Ich würde mich natürlich freuen, wenn er irgendwann mal verfilmt würde. Aber eine Verfilmung ist eine komplizierte und kostspielige Angelegenheit. Vor allem braucht man die richtigen Leute bzw. Partner dafür und die zu finden und dann noch das ganze Geld aufzutreiben – dazu braucht man auch viel Glück. Aber ich drück die Daumen, dass es irgendwann klappt …
„Echte Cowboys“ ist Ihr erster Roman, davor haben Sie vorwiegend Drehbücher geschrieben. Welche Art des Schreibens stellt für Sie eine größere Herausforderung dar?
Der Roman. Weil man dafür einen längeren Atem braucht: Es ist eben schwerer, einen Marathon zu laufen als nur zehn Kilometer. Ich brauche mindestens ein Jahr, um einen Roman fertigzustellen, und die Gefahr, da den Überblick zu verlieren bei einer komplexen Geschichte, ist größer als bei einem normalen Fernsehdrehbuch für einen 90-Minuten-Film, an dem man in etwa vier Wochen pro Fassung schreibt. Allerdings: Einen wirklich guten Film zu schreiben (in der Liga von „Die üblichen Verdächtigen“ z.B., oder „Sieben“, oder auch John Irvings Adaption seines Romans „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) ist natürlich auch eine Kunst. Vor allem die richtige Struktur zu finden, und man muss natürlich ein Händchen für Dialoge haben. Und den Ursprung, also die Idee zu einer Geschichte zu finden, ist wahrscheinlich in beiden Fällen gleich schwer. Aber beim Schreiben eines Drehbuchs wird man formal auch eingeschränkt und das macht es im Prinzip einfacher: Weil man eigentlich nur beschreiben darf, was man auf der Leinwand sieht und hört. Die ganzen Inneneinsichten, die es im Roman gibt, haben im Drehbuch nichts verloren – deswegen kann man sich beim Drehbuchschreiben „psychologisch“ auch mal durchbluffen, wo man beim Romanschreiben einfach die Karten auf den Tisch legen muss.
Warum haben Sie sich für das Genre Jugendbuch entschieden?
Viele meiner Lieblingsbücher sind Jugendbücher, „Huckleberry Finn“, „Die Outsider“, „Ham on Rye“, um nur ein paar davon zu nennen. Aber ich habe mich beim Schreiben von „Echte Cowboys“ nicht bewusst für dieses Genre entschieden. Ich wollte einfach eine Geschichte über Freundschaft schreiben – den Beginn einer großen Freundschaft – und meine eigenen Freundschaften haben alle in meiner Kindheit bzw. Jugend angefangen.
In „Echte Cowboys“ spielen drei Teenager aus unterschiedlichen sozialen Milieus die Hauptrolle. Cosmo wohnt mit seiner Mutter in einer Hochhaussiedlung, Nathalie und Tom leben in einer schönen Gegend, wo jede Familie ein eigenes Haus mit Garten hat. Wie sah Ihre Recherche für die Geschichte aus?
Ich kenne beide Milieus aus eigener (Kindheits-)Erfahrung. Und meine Söhne haben einen Kindergarten in einem sogenannten sozialen Brennpunkt besucht. Es gibt viele Vorurteile über die gegensätzlichen Milieus, viele Fehlurteile. Das ist etwas, das mich schon immer interessiert hat und immer noch nicht losgelassen hat. Diese beiden Milieus spielen auch in meinem nächsten Roman eine Rolle.
Die großen Themen des Romans – Freundschaft, erste Liebe und Einsamkeit - sind wahrscheinlich den meisten jungen Lesern vertraut. Haben Sie Erinnerungen an Ihre eigene Jugend in die Handlung einfließen lassen?
Viele eigene Erinnerungen, z.B. der Vorfall im Einkaufszentrum am Anfang des Romans, der mich sicherlich geprägt hat als Kind, einsamer geht’s ja kaum noch: verprügelt und dann liegengelassen und von den Passanten nicht mal beachtet zu werden, und das Fazit, das ich damals für mich daraus gezogen habe: Erwachsene kannst du vergessen. Aber es sind auch viele Erfahrungen von Freunden drin – z.B. der Abschiedsbrief an der Wohnungstür, mit der Bitte die Tür nicht zu öffnen, sondern die Polizei zu rufen. Mein Vorhaben war es auch, der Freundschaft an sich ein Denkmal zu setzen. Weil Freundschaft mich als Jugendlicher eben doch noch positiv geprägt hat. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre?
Was macht für Sie ein gutes Jugendbuch aus?
Eine gute Geschichte. Die ein Herz hat. Die aufrichtig erzählt wird. In einer klaren Sprache. Und das gilt nicht nur für Jugendbücher, auch für „erwachsene“ Bücher.
In der Kurzgeschichte der Ich-Erzähler, der Krebs hat - bist das du?
Nein, zum Glück nicht. Aber die Geschichte ist entstanden, als ein Freund von mir einen Tumor hatte.
Wie werde ich Drehbuchautor? Muss ich dafür eine teure Drehbuchschule besuchen? Ich habe Robert McKee gelesen und gute Ideen, bin aber noch unsicher, ob das der richtige Weg für mich ist. Kann man vom Drehbuchschreiben überhaupt leben?
Ja, man kann davon leben - manche sogar sehr gut, andere dafür mehr schlecht als recht. Ich schreibe momentan Serie, wodurch ich ein relativ regelmäßiges Einkommen habe. Schwierig ist es, in die Branche reinzukommen: Bei mir (und den meisten anderen) hat das ein paar Jahre gedauert. Ich habe fünf oder sechs Drehbücher geschrieben, bevor ich mein erstes Geld damit verdient habe. Man muss es also wirklich wollen. Ich würde aber keine teuren Drehbuchseminare besuchen, sondern mich bei einer Filmhochschule bewerben (z.B. in München, Köln oder Berlin) und bis es mit der Aufnahme klappt, nicht nur McKee, sondern alle Bücher übers Drehbuchschreiben lesen, bis sie einem zum Hals raushängen und man sich von ihnen emanzipiert hat. Aber das Wichtigste ist natürlich: dass man schreibt - und zwar regelmäßig, jeden Tag, und nicht nur, wenn man "inspiriert" ist.
Wann wird Ihr neuer Roman voraussichtlich erscheinen und worum geht es darin?
Ich hoffe, er wird rechtzeitig fertig, dass er im Herbst nächsten Jahres erscheint. Es ist eine abenteuerliche Geschichte von zwei entfremdeten Brüdern, die auf einmal um ihre Existenz kämpfen müssen und dabei wieder zueinander finden.
Rauchst du eigentlich immer so viel wie in dem Video? Oder warst du da nur nervös?
Hab inzwischen aufgehört. (Mit dem Rauchen. Nervös bin ich immer noch. Na ja, manchmal.)
Was in "Echte Cowboys", außer dem Überfall im Einkaufszentrum, ist noch wirklich passiert?
Zum Beispiel der Brief an der Wohnungstür, Auto klauen und schrotten, Selbstmordversuch der Mutter und: Junge rettet anderem Jungen, der im Sumpf untergeht, das Leben. Ist aber nicht alles mir passiert, manches auch Freunden.
Sind die im Buch beschriebenen Personen auch real?
Ich habe beim Schreiben nicht eins zu eins an Personen aus der Wirklichkeit gedacht. Lustigerweise gibt es aber Freunde von mir, die sich eins zu eins in dem Buch wieder(gespiegelt) finden. Doch z.B. eine Figur wie Tom hat verschiedene Vorbilder in der Realität (und aus meinem Freundeskreis), die in diese eine Figur einfließen.
Warum haben Sie das Buch nicht schon früher geschrieben?
Das Buch hat einige sehr persönliche Elemente. Ich hab einfach Zeit gebraucht, bis ich darüber angemessen schreiben konnte.
Ist von dem Roman eigentlich eine Fortsetzung geplant?
Noch nicht - aber ich denk mal drüber nach. Möglich wär's ja.
Können Sie als Drehbuchautor sich vorstellen, dass das Buch verfilmt wird?
Mich würde es natürlich freuen, wenn "Echte Cowboys" verfilmt würde. Dazu braucht es allerdings noch einen Regisseur und einen Produzenten, mit denen ich auf der selben Wellenlänge bin.
Hattest du beim Schreiben eine Zielgruppe vor Augen?
Hm. Eine Literaturagentin hat mir mal gesagt, der Roman hätte keine Aussicht auf Veröffentlichung – weil er a) zu „erwachsen“ geschrieben wäre und dabei b) auf eine Zielgruppe aus ist, die sowas sowieso nicht liest – nämlich Jungs im Alter von Cosmo und Tom. Vor allem Jungs, die in einem ähnlichen Milieu aufwachsen wie Cosmo, lesen sowas nicht. Also nein, ich habe beim Schreiben an keine spezielle Zielgruppe gedacht – ich freue mich über jede Leserin und jeden Leser – aber wovon ich gelegentlich tagträume, ist folgende Situation: Ein Erwachsener kommt in eine Buchhandlung und sagt: „Ich hab da diesen hoffnungslosen Fall. Der Junge will absolut nichts lesen. Nichts. Und er muss doch was lesen. Sonst schafft er die Schule nicht. Was mach ich nur?“ Und der Buchhändler drückt dem Erwachsenen mein Buch in die Hand und sagt: „Wenn Sie ihn damit nicht zum Lesen kriegen, dann weiß ich auch nicht weiter …“
Wie bist du auf die Idee zu "Echte Cowboys" gekommen? Gab es einen konkreten Anlass in deinem Leben?
Ja, und zwar folgenden: Meine Frau war schwanger und sagte mir, dass es ein Junge werden würde. Ich bekam die Panik. Ich hatte mir ein Mädchen gewünscht! Aus ganz praktischen Gründen: Ich hatte als Jugendlicher ein schwieriges Verhältnis zu meinem Vater und fürchtete nun, dass sich das irgendwann wiederholen könnte – zwischen mir und meinem Sohn. Sowas soll vorkommen. Also hab ich mir eine Geschichte ausgedacht, in der ein paar Jungs – nicht nur, aber auch – einen Scheiß nach dem anderen bauen: Autos klauen, Autos zu Schrott fahren, gefährliche Stunts an Außenfassaden etc. Für später mal, zum Nachlesen, was für einen Mist wir früher gemacht haben – wenn ich gerade meinen eigenen Sohn (inzwischen sind es zwei) wegen solcher Sachen zusammenstauchen will …
Und wie bist du auf den Titel „Echte Cowboys“ gekommen?
Ursprünglich wollte ich das Buch „Cosmo“ nennen. Aber das war mir irgendwann zu nichtssagend und da bin ich über einen Satz von Tom gestolpert: „Echte Cowboys rauchen ohne Filter.“ Also wurde das mein vorläufiger Titel. Aber der war natürlich zu lang (und keine Ahnung, was die im Verlag dazu gesagt hätten …). Also hab ich das mit dem Rauchen weggenommen, auch wenn das eine wichtige Rolle spielt in dem Buch. Weil es darin ja auch ums Coolsein geht.
Also muss man rauchen, um cool zu sein?
Natürlich nicht, aber als Jugendlicher (und auch noch als Erwachsener) hab ich das mal geglaubt. Und ich war ein großer Fan vom Marlboromann (auch wenn der mit Filter geraucht hat, die Flasche). Aber wer wirklich cool ist, braucht natürlich keine Hilfsmittel. Cool ist, wer dazu steht, wer er ist, was er ist, wie er ist – und der andere so sein lässt, wie die eben sind. Jemand, der sich und anderen nichts vorspielen muss. Der sowas gar nicht nötig hat.
Wie gehst du eigentlich mit schlechten Kritiken um?
Bisher hab ich zum Glück nur von einer gehört. Aber ich ärger mich natürlich. Irgendwann hab ich mich dann aus-geärgert und tröste mich mit dem Satz: Lieber schlechte Presse, als gar keine.
Ist Jugend für dich ein problematischer Zustand? Und wie schätzt du die Situation der Jugendlichen von heute ein?
Als Kind bzw. Jugendlicher hat man’s, je jünger man ist, umso schwerer, weil man immer von Wohlwollen und Gnade der Erwachsenen abhängig ist. Überspitzt gesagt lebt man in einem Gefängnis und die Erwachsenen sind die Wärter. Man hat wenig Rechte, umso mehr Pflichten. Und die Politiker scheren sich einen Dreck um einen – frei nach dem Motto: Die dürfen eh noch nicht wählen, die bringen uns nichts. Natürlich gibt’s auch nette Erwachsene. Ich hoff, ich gehör dazu (aber da müsstest du meine Kinder fragen). Doch als Jugendlicher ist man eindeutig der Underdog. Im besten Fall nimmt man das als Herausforderung an. Und die Jugendlichen heute leben in einer wesentlich komplizierteren Welt als wir damals und sind darum nicht zu beneiden.
Wärst du selbst gerne noch mal Jugendlicher?
Ich träume manchmal davon. Und beim Schreiben bin ich’s dann wieder. Ich bin aber auch gerne erwachsen – denke mir dabei aber oft: Mann, wie schnell das Leben vorbeizieht! Manchmal kommt’s mir vor, als hätte ich nur mal kurz die Augen zugemacht – und schon bin ich 39! Dabei war ich doch gerade erst 17! Und wenn ich in 40 Jahren mal mit einem Gehstock zwischen den Beinen auf einer Bank im Englischen Garten sitze und den jungen Leuten beim Fußballspielen zuschaue, werde ich mir wahrscheinlich genau das denken: Scheiße – ich hab doch nur mal kurz die Augen zugemacht …
Wie haben Sie es geschafft, Schriftsteller zu werden? Gab es viele Wiederstände? Braucht man Kontakte?
Im Prinzip war es ganz einfach: Ich habe für mich herausgefunden, dass ich Schriftsteller werden will und habe mir das zum Berufsziel gesetzt; dann habe ich dieses Ziel solange verfolgt, bis ich es erreicht habe. Dabei gab es tatsächlich viele Widerstände – aber an Widerständen wächst man. Kontakte hatte ich anfangs keine. Die haben sich im Laufe der Jahre ergeben.
Haben Sie das Gefühl, talentierte Nachwuchsautoren finden in der Regel einen Agenten oder Verlag, um ihre Werke zu veröffentlichen?
Talent findet gewöhnlich immer seinen Weg ans Licht. Aber die Zeit – und man selber auch – muss reif dafür sein.
Bleiben viele Talente auf der Strecke?
Talent allein reicht nie. Arbeitswille und Durchhaltevermögen gehören unbedingt dazu – sonst bleibt man sicherlich auf der Strecke.
Was empfehlen Sie Nachwuchsautoren, um erfolgreich ein Buch zu veröffentlichen?
Man muss erstmal gut werden. Das ist man nicht zwangsläufig von Anfang an. Und dazu empfehle ich das, was mir meine erste Branchenbekanntschaft (ein Kinderbuchlektor) auf die Frage, wie man Schriftsteller wird, empfohlen hat: Sie müssen schreiben, schreiben, schreiben!